Rudolstädter Heimathefte: Zur Jahresmitte ist der halbe Jahrgang 2026 abgeschlossen
In den ersten drei Heften des Jahres: Spannendes vom Bauernkrieg in der Region bis zum Wirken Georgs II. von Meiningen in Probstzella
Saalfeld. Mit dem Erscheinen des Heftes 5/6 ist die erste Hälfte des Jahrgangs 2026 der Rudolstädter Heimathefte abgeschlossen. Im ersten Halbjahr sind damit drei Hefte erschienen, die wieder spannende Themen aus Geschichte, Kultur und Natur des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt und der Umgebung wiedergeben.
Das größte Thema in diesem Halbjahr ist der Deutsche Bauernkrieg 1524/25: Über zwei Hefte und insgesamt 27 Seiten beleuchtet Jürgen Weyer dessen Ursachen unter besonderer Berücksichtigung der Schwarzburger Oberherrschaft. Als Auslöser des Aufstands nennt der erfahrene und ausgezeichnete Regionalhistoriker Weyer dabei gestiegene Abgaben und die Wegnahme alter Rechte, die den Bauern über Generationen zugestanden hatten, sowie den kirchlichen Ablasshandel, der zusätzlich zum wachsenden Unmut in der Bevölkerung beitrug. Bereits im vergangenen Jahr hatte RHH-Redaktionsmitglied Karlheinz Schönheid einen kurzen Abriss der Ereignisse zum Bauernkrieg in der Grafschaft Schwarzburg verfasst. Autor Schönheid schließt außerdem mit einem Beitrag zum 250. Geburtstag Max Eberweins die mehrteilige Artikelreihe von Peter Larsen aus dem letzten Jahr ab.
Weiter teilt Jonny Henkel, ein jüngerer Autor aus Ahrensfelde, einige neue Gedanken zur Grenzsituation im 11. und 12. Jahrhundert zur Grenze zwischen Orlagau und Längwitzgau mit, die er entlang der Orte an der Schwarza nachzeichnet, darunter Cordobang, Schwarzburg und Bad Blankenburg. Die Untersuchung erschien in zwei Teilen und stützt sich dabei auch auf bislang wenig beachtete Quellen. Für einen literarischen Akzent sorgt Henkel zudem mit dem Gedicht „Dar letzte Gross" in Böhlener Mundart, fühlt er sich der Region doch besonders verbunden. In dem Gedicht wird von einem kleinen Unfall erzählt, der sich durch das Verbreiten von Gerüchten im Dorf immer weiter verschlimmert. Zum Thema Böhlen ist zuletzt im Verlag der Blauen Blume ein Buch über die die Zwangsaussiedlungen Böhlener Bürger nach Brasilien im Jahr 1852 erschienen, das im Heft vorgestellt wird.
Wie in jedem Jahrgang versuchen die Rudolstädter Heimathefte auch 2026, die großen Jubiläen des Jahres zu würdigen. So geht Wolfgang Kahl der Frage nach, wann die Ersterwähnung aller Orte im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt stattgefunden hat, und stellt damit für alle Heimatinteressenten eine wichtige Übersicht bereit. Die ältesten Orte im Landkreis sind demnach Orte wie Altremda, Stadtremda oder Sundremda, die er nach dem entsprechenden Urkundenbuch des Klosters Fulda auf einen Zeitraum zwischen 750 und 779 nach Christus datiert. Der jüngste Ort in der Übersicht ist Bärenstein/zu Schmiedebach, ein ehemaliger Schieferbruch im Lehestner Ortsteil Schmiedebach, dessen Gründung auf das Jahr 1869 datiert wird.
Einen besonderen Schwerpunkt setzt das aktuelle Heft bei Remda, das dieses Jahr die 1250. urkundliche Ersterwähnung feiert und dem gleich zwei Beiträge gewidmet sind. Ortsteilbürgermeisterin Ursula Martin begibt sich auf eine kleine Zeitreise durch die Geschichte des Ortes.
Mit einer ausführlichen Präsentation von Quellen liefert Wolfgang Kahl die Annalen von Remda bis 1700. Mit seiner chronikartigen Aufarbeitung der Ortsgeschichte, die die Einordnung des Jubiläums um zusätzliche historische Details bereichert, hatte er im Heft zuvor bereits die Annalen von Teichel bis 1732 veröffentlicht.
Ein Blick geht in den südlichen Landkreis: Brigitte Krzyminski, die aufgrund ihres Engagements für ihre alte Heimat und die Reichenbacher Kirche mit der Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Probstzella ausgezeichnet wurde, berichtet in ihrem Beitrag über Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen und sein Engagement für die Probstzellaer Kirche. Sie ordnet das historische Wirken des Theaterherzogs ein, dessen 200. Geburtstag die Stadt Meiningen in diesem Jahr feiert. Damit würdigt sie nicht nur den ehemaligen Landesherrn, sondern auch die heutige Bedeutung der evangelischen Kirche für den Ort.
Auch naturkundliche Themen kommen im Jahrgang nicht zu kurz: Pilzsachverständiger Bernd Rudolph stellt den Igel-Stachelbart als Pilz des Jahres 2026 vor und Naturexperte Gunnar Höpstein berichtet über die Schmetterlingsart Spanische Flagge, gerne auch als Russischer Bär bezeichnet, und ihr Vorkommen im Landkreis. Passend zu den Naturthemen greift das Editorial die Internationale Tagung Geotop 2026 im Geopark Schieferland auf, bei der dem Naturwerkstein „Deutscher Dachschiefer" der Titel „Welterbe-Stein" verliehen wurde. Mit der neue Geotour „Alexander von Humboldt" in Thüringen hat der Geopark nun eine weitere geologische Route durch die Region.
Wo Sie die Rudolstädter Heimathefte erhalten können
Die Rudolstädter Heimathefte sind zum Preis von 3,50 Euro in den Buchhandlungen des Landkreises erhältlich:
- in Bad Blankenburg in der Leseinsel Harfe,
- in Gräfenthal im „Lädle",
- in Königsee in der Buchhandlung Lese-Hunger sowie bei Kritzelkram,
- in Rudolstadt in der Thalia-Buchhandlung und der Tourist-Info sowie
- in Saalfeld in der Thalia-Buchhandlung und der Tourist-Info am Markt.
Im Abonnement kosten die Hefte 2,70 Euro pro Ausgabe zuzüglich Versandkosten und können ebenso wie Einzelhefte direkt bei Martin Modes über das Presse- und Kulturamt des Landkreises bezogen werden, telefonisch unter 0 36 71/8 23-2 10 oder per E-Mail an martin.modes@kreis-slf.de.
Johannes Wolf
Auszubildender
Presse- und Kulturamt
Hintergrund zu den Rudolstädter Heimatheften
Die Rudolstädter Heimathefte erscheinen im 72. Jahrgang und gelten als älteste noch bestehende Publikationsreihe ihrer Art in Thüringen. Seit ihrer ersten Ausgabe 1955 dokumentieren ehrenamtliche und fachkundige Autoren im Zweimonats-Rhythmus die Geschichte, Kultur und Natur der Region – seit der Gebietsreform von 1994 liegt der Fokus auf dem gesamten Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.
Anlässlich des 70jährigen Bestehens hatte die Redaktion der Rudolstädter Hiemathefte im Jahr 2025 den Ehrenamtspreis des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt erhalten.
Hintergrund zu den Ortsjubiläen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Gleich mehrere Orte feiern in diesem Jahr runde Jubiläen, hier dazu ein paar Beispiele:
Rudolstadt begeht sein Doppeljubiläum aus 1250 Jahren urkundlicher Ersterwähnung als „Rudolfestat" im Jahr 776 und 700 Jahren Stadtrecht im Jahr 1326 mit einer großen Festwoche vom 6. bis 13. September 2026. In der darauffolgenden Woche, vom 12. bis 20. September 2026, feiert Remda mit einer eigenen Festwoche seine 1250. Ersterwähnung. Leutenberg begeht seine Festwoche 700 Jahre Stadtrecht und 100 Jahre Stadtbad bereits vom 16. bis 23. August.
Sundremda, das mit 1250 Jahren auf eine ebenso lange Geschichte zurückblickt wie Rudolstadt, und Heilingen, das sein 1150jähriges Bestehen feiert, sowie das 950jährige Teichel hatten ihre Jubiläen bereits im Mai und Juni gefeiert.