Bei einer Tasse Kaffee über KomBus-Flex ausgetauscht
Landrat löst Wahlkampfversprechen gegenüber Leserbriefschreiber ein
Saalfeld. Im Landratswahlkampf hatte Holger Elias aus Catharinau nach dem ersten Wahlgang eine kontroverse Analyse zum Stimmverhalten in der OTZ veröffentlicht. Selbst als Busfahrer tätig hatte Elias das neue On-Demand-Angebot von KomBus kritisiert. Landrat Marko Wolfram hatte ihn daraufhin auf einen Kaffee an den KomBus-Betriebshof in Saalfeld eingeladen, um konkrete Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge zu erörtern. Am Dienstag, 21. Juli, löste Wolfram sein Walkampfversprechen gemeinsam mit KomBus-Geschäftsführer Dirk Bergner und Mike Mackeldey, Bereichsleiter Verkehr ein.
„Ich freue mich, dass wir heute ins Gespräch kommen und Ihre und unsere Erfahrungen mit KomBusFlex austauschen und eine Auswertung der ersten Monate vorstellen können“, sagte Wolfram zur Begrüßung. Zunächst stellte Mackeldey die Entwicklung des neuen Angebots von der ersten Idee bis zum Start am 14. Dezember2025 vor. Erst im März 2025 hatte der Zweckverband ÖPNV die Einführung beschlossen. Mehr als 70 Bürgerversammlungen habe es darauf in den beiden Landkreisen Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla gegeben, um das Projekt vorzustellen. 20 barrierefreie Kleinbusse sind seit dem Start im Einsatz. Zwölf Busse gehören KomBus, acht weitere stellen Nachunternehmer. Für einen von ihnen fährt auch Elias in Teilzeit.
KomBus hat das Versorgungsgebiet in fünf On-Demand-Zonen unterteilt. Von den Zonen werden die wichtigen Takt-Buslinien erreicht. Das Angebot für den Flex-Verkehr besteht in Schulzeiten montags bis freitags zwischen 8 und 12 sowie 15 und 17 Uhr. In den Ferien ist eine durchgehende Nutzung von 6 bis 17 Uhr möglich. Samstags, sonntags und feiertags sind die Flexbusse von 9 bis 15 Uhr verfügbar. Buchbar sind sie telefonisch, per App oder im Internet. Seit dem Start wurden kleinere Anpassungen vorgenommen und weitere virtuelle Haltestellen eingerichtet. Als ein Problem erwies sich das Nicht-Erscheinen von 113 Fahrgästen, die den Bus gebucht hatten. Inzwischen wurde auch darauf reagiert. Wer dreimal nicht zum gebuchten Termin erscheint, wird gesperrt.
Ansonsten ist die Statistik nach sieben Monaten ermutigend: 8914 Fahrgäste nutzen bei 5825 Fahrten das neue Angebot. Vor allem in den Ferienzeiten, wenn Kombus-Flex durchgehend gebucht werden kann, gehen die Nutzerzahlen nach oben. Auf den Hauptachsen-Linien haben sich auf einzelnen Strecken die Fahrgastzahlen verdoppelt. „Insgesamt haben wir ein tolles neues Angebot geschaffen, das es vorher nicht gab und um das uns andere ländliche Regionen beneiden“, sagte Wolfram. Erst kürzlich hatte eine Delegation aus drei europäischen Ländern sich das Projekt vor Ort angesehen. Die Universitäten in Jena und Erfurt hätten das Modell als innovativstes in Thüringen bezeichnet, berichtete Bergner.
Elias hatte selbst einen umfangreichen Fragenkatalog zum Termin erstellt und einige Kritikpunkte benannt. So sieht er die Lücke zwischen 12 und 15 Uhr als Manko. Allerdings findet in dieser Zeit der Schülerverkehr statt, so dass ohnehin ein Busangebot besteht, das den ländlichen Raum bedient. . Elias wünscht sich zudem kürzere Vorlaufzeiten bei der Buchung und mehr Informationen über das neue Angebot. Hier widersprachen Bergner und die Sachbearbeiterin der Geschäftsstelle des Zweckverbandes, Anja Müller. Alle Gemeinden im Verbandsgebiet seien angeschrieben und um Veröffentlichungen in ihren Amtsblättern gebeten worden. Zudem wurde eine eigene Ausgabe des Magazins „Omni“ dem neuen Angebot gewidmet. Presseveröffentlichungen, Flyer und Kampagnen in den sozialen Medien hätten über KomBus-Flex informiert. „Man muss die App selbst in der Hand haben und einen Bus buchen“, warb Landrat Wolfram für den Praxistest. „Das ist ein Quantensprung für den ländlichen Raum“, ist er überzeugt.
Eine Ausweitung des Angebots sei angestrebt. „Allerdings müssen wir immer die Kosten und die Personalsituation im Blick behalten“, sagte Geschäftsführer Dirk Bergner. „Wir haben mit KomBus-Flex ein Mobilitätsangebot für den ländlichen Raum geschaffen, das vorher schlicht nicht da war. Das ist unser Startpunkt, von dem wir das Angebot weiterentwickeln wollen“, betonte Wolfram. Elias schlug darüber hinaus einen Fahrgast-Beirat vor, um Transparenz und Bürgerbeteiligung zu sichern. „KomBus verfügt über die gewählten Mitglieder des Zweckverband ÖPNV über ein Bürgerbeteiligungsgremium, das durch die Kreistagswahlen demokratisch legitimiert ist“, so der Landrat.
Peter Lahann
Presse- und Kulturamt