Familienleben im BR-AWO-Land lernen

Co-Präsidentin beim Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt besucht Rudolstadt

Rudolstadt. Auf ihrer jährlichen Sommertour besuchte die Co-Präsidentin des AWO-Bundesverbandes, Kathrin Sonnenholzner am Montag die stationäre Jugendhilfeeinrichtung „BR-AWO-Land“ der AWO Rudolstadt. Begrüßt wurde sie von Geschäftsführer Hans-Heinrich Tschoepke, Petra Rottschalk, Vorstandsvorsitzende der AWO Rudolstadt, Thea Kneisel, Bereichsleiterin Kinder- und Jugend sowie Landrat Marko Wolfram. Einrichtungsleiterin Silvia Rosenfeld stellte das Konzept vor.

Die AWO hatte das Haus mit 124 Wohnungen vor zehn Jahren gekauft und sukzessive saniert und mit neuem Leben erfüllt. Im Erdgeschoss befindet sich die Außenwohngruppe mit bis zu sechs Mutter-Kind Zimmern und 24-Stunden-Betreuung. Hier lernen die oft sehr jungen Mütter einen verantwortungsvollen Umgang mit Kindern. Ein Dienstplan für verschiedene Aufgaben in dem Wohnbereich schafft Tagesstruktur und stärkt die Eigenverantwortung. Jede Mutter hat einen eigenen Kontakterzieher, der bei Problemen hilft.

Im zweiten Stock des Gebäudes schließen sich Wohnungen zum Trainingswohnen an. Eine 25-jährige Bewohnerin stellt den Besuchern ihre kleine Wohnung vor, in der sie seit zwei Jahren mit ihren beiden Töchtern wohnt. Die Geburt des zweiten Kindes überforderte die junge Frau, mit Unterstützung des Jugendamtes fand sie das Trainingswohnen bei der AWO und meistert jetzt in kleinen Schritten den Alltag. Gemeinschaftsaktivitäten mit anderen Müttern und Kindern stehen regelmäßig auf dem Programm, unter anderem Geburtstags- und Weihnachtsfeiern, Selbstverständlichkeiten, die viele in der eigenen Familie nicht kennengelernt haben. „Das hier ist meine Familie“, erzählt die 25-Jährige.

Neben verschiedenen komplexen Problemlagen sind es oft Bindungsstörungen, die den liebevollen Umgang mit dem eigenen Kind verhindern. Im „BR-AWO Land“ lernen die Mütter, die Emotionen ihrer Kinder richtig zu verstehen und angemessen zu reagieren. Das Risiko von Kindeswohlgefährdungen wird dadurch erheblich reduziert. Entsprechend kritisch sehen die Fachleute die Entwürfe für das neue Kinder- und Jugendhilfestrukturreformgesetz. Sie befürchten drastische Kosteneinsparungen zu Lasten der Kinder und Jugendlichen. Sonnenholzner teilt die Besorgnis. „Ich finde es extrem bedrückend, was sich gerade auf der politischen Bühne tut“, sagte die Medizinerin. Umso wichtiger sei es, bei Besuchen wie in Rudolstadt, die Erfahrungen aus der Praxis kennenzulernen und nach Berlin zu tragen.

Peter Lahann

Presse- und Kulturamt