Neues Leben für die Drei-Kaiser-Eiche in Schmiedebach
Einweihung der Sitzbank aus dem Eichenholz und Versenkung einer Zeitkapsel
Saalfeld. Die Dorfgemeinschaft in Schmiedebach und Lehestens Bürgermeisterin Nicole Vockeroth haben am Samstag, 6. Juni, zusammen mit Landrat Marko Wolfram in einem kleinen Dorffest die neue Sitzgruppe am Standort der Drei-Kaiser-Eiche im Ortszentrum von Schmiedebach feierlich eingeweiht.
Mit dieser Sitzbank hat die Eiche nun ein neues Leben bekommen - denn vor gut einem Jahr musste der erkrankte Baum im April 2025 nach 137 Jahren gefällt werden. Die Sitzgruppe war aus dem Holz der alten Eiche gefertigt worden, „damit ihre Geschichte, Präsenz und ihr Geist an diesem Ort erhalten bleibt“, wie es einer sorgfältig von Isabell Nicolaus gestalteten Schiefertafel entnehmen ist, die Sebastian Gebhardt aus Grumbach hergestellt hatte. Die Tafel steht direkt neben der Sitzgruppe, die von Sebastian Bliem gezimmert wurde.
Als Organisator der Einweihungsfeier führte Andreas Spanjer durch das Programm und ließ die Geschichte des Baumes und seines neuen Lebens auf dem Zschachs-Hügel in Schmiedebach Revue passieren. „Was einst gewachsen ist, findet seine Fortsetzung in frischem Grün, in neuen Wurzeln, in der Hoffnung auf kommende Generationen.“ Er führte die zahlreichen Akteure und Unterstützer auf, die diesen besonderen Ort erhalten haben, dankte dem gesamten Organisationsteam und stellvertretend Rico Liebmann, Rene Munzer und Mike Rosenbusch für den tatkräftigen körperlichen Einsatz. Weiterer Dank ging an die Thomas und Dieter Helfritsch und ihre Schmiedebacher Firma.
Bürgermeisterin Nicole Vockeroth dankte den Schmiedebacher Bürgerinnen und Bürgern. Sie hatten die Idee entwickelt, aus dem Holz der gefällten Eiche eine Sitzgruppe zu errichten und an dem Standort bereits im Dezember 2025 eine neue Eiche gepflanzt – und die Stadt Lehesten hatte die Idee unterstützt. Mit 750 Euro durch die TEAG und 300 Euro durch die Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt wurde die Finanzierung über Spendengelder abgesichert. Zudem hatte Landrat Marko Wolfram noch eine weitere Unterstützung des Landkreises von 200 Euro im Gepäck, um auch die Restkosten zu decken. Er zog dabei eine Parallele zwischen der Pflanzzeit des Baumes und der Gegenwart: „Als diese Eiche 1888 gepflanzt wurde, stand die Gesellschaft durch die Industrialisierung vor einem gewaltigen Umbruch. Heute erleben wir durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eine ganz ähnliche Epoche des Wandels. Gerade in Zeiten so rasanter Veränderungen braucht es Symbole der Beständigkeit. Mit der neuen Eiche und dieser Sitzbank schlagen wir eine Brücke zwischen den Generationen und setzen ein fest verwurzeltes Zeichen der Zuversicht für unsere Zukunft.“
Nachdem das Band an der Sitzgruppe offiziell durchgeschnitten wurde, wartete auf Landrat und Bürgermeisterin nochmal ein Stück Arbeit: Sie durften die Zeitkapsel mit dem bereits eingeschweißten Material befüllen und den Anwesenden alle Dokumente einzeln vorstellen. Dazu gehörte auch eine Originalgrafik mit einer aktuellen Ansicht des Ortes und eine Bilderseite mit den Schmiedebacher Kindern des Jahres 2026. Damit werden künftige Generationen Originaldokumente von heute vorfinden. Den heutigen Schmiedebachern war ein solcher Fund nicht vergönnt: Beim Fällen des alten Baumes, der am 18. Oktober 1888, im damaligen Drei-Kaiser-Jahr vom örtlichen Landwehr- und Kriegerverein gestiftet worden war, konnte keine Kapsel aus der früheren Zeit gefunden worden.
Im Jahr 2008 hatte der Schmiedebacher Autor Carsten Reitz die Geschichte der damals 120-jährigen Drei-Kaiser-Eiche in Schmiedebach für die Rudolstädter Heimathefte aufgeschrieben. Deshalb gehörte das entsprechende Heimathaft auch zu den Dokumenten, die Landrat, Bürgermeisterin und Organisator Spanjer in der Zeitkapsel versenkten. Dieses Heft ist für alle Interessierten noch über das Presse- und Kulturamt des Landratsamtes zu erwerben.
Martin Modes
Presse- und Kulturamt
Fotos: Martin Modes
Bildmotive:
8 Die Schiefertafel
24 Musikalische Umrahmung – unter anderem mit dem Steigerleid
47 Das Band wird durchgeschnitten
106 Erinnerungsfoto mit dem Organisationsteam
Titel des Heimatheftes mit dem Artikel von Carsten Reitz