Glücksfall Digitalprojekt für Landesmuseum Heidecksburg

Mehr als 25.000 Objekte aus Sammlungen digitalisiert – Abschlussfeier am 29. Mai

Rudolstadt. Es war ein Glücksfall für das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg: 1,9 Millionen Euro hatte das Bundesministerium für Kultur und Medien (BKM) für das Projekt „HEIdigital“ bewilligt. Am Freitag, 29. Mai, wurde in der Reithalle von Schloss Heidecksburg in Rudolstadt der Projektabschluss gefeiert. Mehr als 25.000 Objekte wurden im Rahmen der dreijährigen Projektphase  neu inventarisiert, transkribiert und digitalisiert und teils neu verpackt. Landrat Marko Wolfram sprach deshalb in seiner Festrede vor geladenen Gästen und Projektpartnern von einer Mammutaufgabe.

Die Projektmittel des BKM ergänzen das Sonderinvestitionsprogramm des Bundes zur Rettung historischer Monumente in Thüringen und Sachsen-Anhalt. 400 Millionen Euro stellen der Bund und die beiden Bundesländer zur Sanierung von Schlössern und Gärten zur Verfügung – allein 39 Millionen Euro setzt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten auf Schloss Heidecksburg für drei Einzelprojekte ein. Parallel dazu sollte auch die kostbaren Sammlungsbestände für eine breite Nutzung erschlossen werden. Der entsprechende Antrag lag zum Start des Förderprogramms bereits in der Schublade des Museums. Erstellt wurde er von der heutigen Direktorin Sabrina Lüderitz und ihrer Stellvertreterin Dr. Sandy Reinhard noch unter dem Direktorat von Dr. Lutz Unbehaun.

„Das Besondere an dem Förderprogramm war die Möglichkeit, auch Personalstellen zu finanzieren. Denn mit unserem vorhandenen Personalbestand hätten wir diese Größenordnung von Projektmitteln niemals umsetzen können. So war es möglich, einen Botaniker, einen Geowissenschaftler, sowie drei weitere Stellen für Projektleitung, Datenerfassung und Controlling befristet einzustellen“, sagte Landrat Marko Wolfram. In der gläsernen Werkstatt wurden mehr als 10.000 Objekte der geologischen Sammlung, über 11.000 kostbare Herbarblätter der botanischen Sammlung und mehrere hundert Objekte aus der Korallensammlung der Zoologie untersucht, erfasst und digitalisiert.

Digitalisiert wurde mit der Inventarisierungsdatenbank digiCult.web von der aus die Daten der Öffentlichkeit in Zukunft zugänglich gemacht werden sollen. DigiCult.web wird durch den Freistaat allen Museen in Thüringen kostenfrei zugänglich gemacht. „Die wissenschaftliche digitale Erschließung der Bestände sollte aber ausdrücklich nicht nur Forschenden zur Verfügung stehen. Deshalb bin ich dem Team außerordentlich dankbar, dass hier mit großer Kreativität weitere digitale Angebote entwickelt wurden“, so der Landrat.

Digitale Schnitzeljagden, ein Rundgang mit dem Tablet und Augmented Reality, die interaktive Postkartenstation, die Installation „Neochimera“ von Medienkünstler Robert Seidel und vor allem das neue interaktive Korallenriff haben sich zu echten Besuchermagneten entwickelt. Schon die gläserne Werkstatt in den Räumen der Gewölbehalle erfreute sich großen Interesses bei Besucherinnen und Besuchern unter anderem aus dem Ausschuss für Kultur und Bildung.

Landrat Marko Wolfram betonte in seiner Rede zudem den wirtschaftlichen Wert von musealen Angeboten, der im vergangenen Jahr vom Institut für Museumsforschung in einer Studie ermittelt worden war. Fazit: für jeden öffentlich in Museen investierten Euro wurde eine Wertschöpfung von 1,7 Euro ermöglicht. Dazu kommen weitere 2,4 Euro je Besucher an Wertschöpfung in Form von Dienstleistungen, Übernachtungen und Mobilität. Museen sicherten zusätzlich zu den eigenen 106.000 Arbeitsplätze weitere 180.000 Jobs in touristischen Bereichen. „Diese Ergebnisse sind ermutigend und bestätigen, dass wir keineswegs Steuergeld für Luxus ausgeben. Im Gegenteil, Museumsförderung ist Bildungsinvestition und Wirtschaftsförderung in einem“, so der Landrat zum Abschluss.

Christina Halwas, die kommissarische Leiterin der Abteilung Kultur und Kunst im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, würdigte den Pilotcharakter des Projekts „HEIdigital“. „Hier wurde eine Erfassungsmaske entwickelt, die bei der Digitalisierung allen Thüringer Museen zugutekommt“, sagte Halwas. Sie sprach dem Projektteam „große Hochachtung und Dank für eine professionelle und gelungene Projektarbeit“ aus.

Im Anschluss an die Festrede gaben Direktorin Sabrina Lüderitz und Dr. Sandy Reinhard in einem unterhaltsamen Dialog einen Einblick in den Verlauf des Projekts. Projektmanagerin Antonie Lau stellte die externen Partner und Dienstleister vor und dankte für die kreative Umsetzung der einzelnen Schritte.  

Peter Lahann
Presse- und Kulturamt