„Welterbestein Deutscher Dachschiefer“ – Geopark Schieferland erhält IUGS-Zertifikat auf Geotop 2026

Autor/in: Martin Modes

Feierliche Übergabe bei der Internationalen Jahrestagung im Haus des Volkes

Probstzella. Der Naturwerkstein „Deutscher Dachschiefer“ ist nun offiziell ein „Welterbestein“. Zwar wurde der begehrte Titel bereits im Jahr 2024 verliehen, doch jetzt erfolgte die feierliche Übergabe der Urkunde. Den passenden Rahmen dafür bot die Internationale Tagung Geotop 2026, die vom 21. bis 23. Mai Wissenschaftler und Akteure aus ganz Deutschland im Haus des Volkes in Probstzella zusammenführt.

Am Donnerstag nahm Landrat Marko Wolfram die Urkunde stellvertretend für den Geopark Schieferland – eine der Kernregionen des Dachschieferabbaus – entgegen. Überreicht wurde das Zertifkat von Angelika Ehling vom Executive Committee der IUGS, International Union of Geological Sciences. Die Expertin der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Potsdam betonte bei der Übergabe: „Steine sind vielleicht das Allerwichtigste, das unsere Kulturlandschaften prägt. Deshalb zertifizieren wir bedeutende Werksteine – wie den Deutschen Dachschiefer mit seinen historischen Revieren.“ Ehling wird das Konzept der „IUGS Heritage Stones“ am Freitag in einem ausführlichen Vortrag vorstellen.

„Diese Auszeichnung zeigt, dass unser Dachschiefer und unsere Schieferregion eine immense Bedeutung für das deutsche Kulturerbe haben. Es ist ein sichtbares Zeichen der Anerkennung durch eine weltweit tätige Institution“, freute sich Landrat Wolfram. Zuvor hatte er die Teilnehmer als Vertreter des gastgebenden Geoparks begrüßt und die Bedeutung der Tagung hervorgehoben: „Dass die Fachwelt der deutschen Geologen und Geoparks in diesen Tagen bei uns zu Gast ist, ist eine große Auszeichnung. Das gibt uns Rückenwind, unseren länderübergreifenden Geopark im nationalen Netzwerk weiter fest zu etablieren.“

Unterstützung durch die Länder und starkes Netzwerk

Neben dem fachlichen Austausch nutzten auch Vertreter der Landesregierungen die Konferenz, um das Wissen über die Geopark-Arbeit zu vertiefen und Netzwerke zu pflegen. Dr. Roland Eichhorn vom Bayerischen Landesamt für Umwelt lobte das Engagement vor Ort und betonte mit Blick auf den Altvaterturm die Bedeutung von Heimat und Geotopschätzen: „Was Sie hier tun, ist sehr wichtige Arbeit. Das Motto der Tagung – Geologie erleben und Natur bewahren – passt wunderbar dazu.“

Prof. Dr. Martin Feustel erinnerte an das Bekenntnis des Landes Thüringen zur Förderung seiner vier Geoparks. Die Unterstützung in Höhe von 200.000 Euro pro Jahr sei Dank des Doppelhaushalts für dieses und das nächste Jahr gesichert. „Unser Ziel ist es, die Förderung zu verstetigen. Wir kämpfen auch in schwieriger Haushaltslage für deren Erhalt“, betonte Feustel.

Umfangreiches Exkursionsprogramm

Andreas Gliesing, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Geoparks Schieferland und Hauptorganisator der Veranstaltung, dankte dem Land Thüringen für die Übernahme von 50 Prozent der technischen Kosten, wodurch die Teilnahmegebühren moderat gehalten werden konnten. Gemeinsam 
mit den drei beteiligten Naturparken hat sein Team ein anspruchsvolles Exkursionsprogramm auf die Beine gestellt. Dieses führt die Gäste unter anderem zum Technischen Denkmal Lehesten, zum Nationalen Geotop Bohlen, zum Zechsteinriff bei Ranis, ins Deutsche Schiefertafelmuseum 
Ludwigsstadt sowie zum Schaubergwerk Morassina.

Moderiert wird die Veranstaltung von Annett Kaldich, Vorsitzende der Fachsektion Geotope und Geoparks der DGGV, und Andreas Peterek, Sprecher der Arbeitsgruppe deutscher Geoparks.

Martin Modes
Presse- und Kulturamt
im Auftrag des Geoparks Schieferland

Hintergrund:

Die International Union of Geological Sciences (IUGS) zertifiziert seit dem Jahr 2020 sogenannte „Geoheritage Stones“. Dies sind Naturwerksteine, die in architektonisch bedeutenden Bauwerken verwendet wurden und damit ein integraler Bestandteil der menschlichen Kultur sind. Weltweit sind inzwischen 69 Naturwerksteine ausgezeichnet worden – darunter bislang fünf aus Deutschland. Die Ernennung des Deutschen Dachschiefers würdigt nicht nur die historischen und noch aktiven Vorkommen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im thüringisch-fränkischen Schiefergebirge, sondern auch die handwerklich einzigartigen „Deutschen Deckarten“ mit ihren schuppenförmigen Schiefern.