Großes Lob für Modellprojekt AGATHE
Staatssekretär Udo Götze informiert sich im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Saalfeld-Rudolstadt. Seit Ende 2024 läuft auch im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt das Modellprojekt AGATHE – prägnante Abkürzung für das „Älter werden in der Gemeinschaft – Thüringer Initiative gegen Einsamkeit“. Auf Einladung von Landrat Marko Wolfram besuchte Staatssekretär Udo Götze, im Sozialministerium für das Projekt zuständig, drei Stationen, um sich selbst ein Bild zu machen.
Zum Auftakt stand ein gemeinsames Frühstück in Kleingeschwenda auf dem Programm, zu dem mehrere Senioren, ein Senior, Bürgermeister Dr. Steffen Kania, Thorsten Scholz, in Saalfeld für die Entwicklung der Ortsteile zustänig, Ortsteilbürgermeisterin Andrea Kühn, Seniorenbeauftrage Alexandra Graul, Fachbereichsleiter Rolf-Hendryk Thalmann, Projektkoordinatorin Mandy Brunner, die beiden AGATHE-Beraterinnen Karolin Zimmermann und Vivien Graf sowie Michael Klaus, Landeskoordinator des Programms im Sozialministerium gekommen waren. „Mir ist es wichtig zu sehen, was das Projekt in der Praxis bewirkt“, sagte Götze. Der Freistaat stellt in diesem Jahr fünf Millionen Euro für AGATHE zu Verfügung, im kommenden Jahr werden es sechs Millionen Euro sein. 4,5 Stellen und Sachmittel werden dafür in den teilnehmenden Landkreisen und kreisfreien Städten finanziert. Den Eigenanteil bringen die Träger – der AWO Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt und die AWO Rudolstadt im zweiten Projektjahr zur Hälfte auf, im ersten Jahre waren es 100 Prozent.
250 Beratungen pro Mitarbeiterin und Jahr müssen dafür durchgeführt werden. Bereits im ersten Projektjahr waren es mit 1370 Beratungen für 397 Klienten deutlich mehr. In diesem Jahr sind es schon 713 mit 217 Klienten gewesen. „Wenn man krank alleine dasteht und hat so wunderbare Hilfe, das ist eine tolle Sache“, beschrieb eine Seniorin ihre Erfahrung. Die AGATHE-Helferin habe sogar beim Kofferpacken für einen Klinikaufenthalt geholfen. Eine andere Senioren habe durch ihren Sohn von dem Projekt erfahren und nehme jetzt regelmäßig an Aktivitäten teil. Bei einer anderen wurde der Besuch vom Hausarzt vermittelt. Eine alleinstehende Seniorin aus Saalfeld wollte einfach andere Menschen kennenlernen und bewusst das tägliche Umfeld verlassen.
Entscheidend sei der persönliche Kontakt zu den Helferinnen. „Im Gegensatz zu anderen Angeboten ist AGATHE eine aufsuchende Unterstützung“, lobt Bürgermeister Dr. Kania. Der Kontakt wird behutsam aufgebaut. Meist beginnt er mit einem Telefonanruf, dann folgt ein Hausbesuch. Wer das nicht möchte, kann in einem Beratungsspaziergang Vertrauen zu den Helferinnen aufbauen. Zudem hat der AWO Kreisverband jetzt einen Beratungsbus angeschafft, so dass weder Büroräume noch ein Hausbesuch für die Gespräche nötig sind.
Der Beratungsbedarf ist sehr hoch. Die Themen Pflege, Gesundheit und Behördenangelegenheiten sind die gefragtesten. Oft geht es um Hilfestellung bei Anträgen auf finanzielle Unterstützung, berichtet Vivien Graf, die Bad Blankenburg und das Schwarzatal betreut. Wie das Programm noch bekannter gemacht werden kann, wollte Landrat Marko Wolfram wissen. Geworben werde mit Flyern, Plakaten und Anzeigen in Amtsblättern. Mit Abstand wichtigster Weg sei jedoch die persönliche Empfehlung, besser bekannt als Mundpropaganda, über die 45 Prozent der Kontakte zustande kamen. Generell seien Frauen aufgeschlossener gegenüber den Beratungsangeboten als Männer.
Als weitere Wünsche zur Verbesserung der Situation älterer Menschen hatten die Senioren konkrete Vorschläge. Es müsste mehr altersgerechte Wohnungen geben, Angebote für die Mobilität könnten optimiert werden. Beim anschließenden Fachgespräch mit Vertretern der Träger wurden weitere Details der bisherigen Erfahrungen ausgetauscht. Götze kündigte an, dass das Programm verstetigt werden soll, um auch für die Beschäftigten eine dauerhafte Perspektive für ihre wichtige Arbeit zu schaffen. Einig waren sich alle Beteiligten, dass Angebote wie AGATHE zwar Geld kosten, gleichzeitig aber Pflegebedürftigkeit verzögerten und mehr Selbstbestimmung im Alter ermöglichten.
Im Anschluss an die Beratung in Kleingeschwenda trafen sich die Fachleute mit Seniorinnen und Senioren in Gräfenthal zum Bingo-Nachmittag, an dem auch Bürgermeister Marcel Kuhnen teilnahm. Den Abschluss der Erfahrungstour durch den Landkreis bildete ein gemeinsames Kaffeetrinken in der AWO-Begegnungsstätte am Rudolstädter Markt mit Bürgermeister Jörg Reichl.
Peter Lahann
Presse- und Kulturamt