Gespräch zu Wirtschaft und Pflege im Landkreis
Landrat Marko Wolfram lädt Landtagsabgeordnete Janine Merz ein
Rudolstadt. Bei einem Besuch in Rudolstadt hat sich die Thüringer Landtagsabgeordnete Janine Merz auf Einladung von Landrat Marko Wolfram bei Geschäftsführer Matthias Fritsche über das Innovations- und Gründerzentrum (IGZ), die Wirtschaftsförderagentur und das Schülerforschungszentrum informiert. Beim anschließenden Besuch des Pflegeheims der AWO Rudolstadt in der Weststraße standen beim Gespräch mit Geschäftsführer Hans-Heinrich Tschoepke aktuelle Herausforderungen in der Pflege auf dem Programm.
Fritsche stellte die erfolgreiche Entwicklung des IGZ seit seiner Inbetriebnahme 1995 vor. „Unsere Auslastung liegt bei rund 90 Prozent“, berichtete Fritsche. Aktuell befinden sich dort 23 Firmen am Beginn oder schon am Ende der Gründungsphase. Einige stehen aufgrund ihrer erfolgreichen Entwicklung kurz vor dem Umzug in eigene, größere Räume. Zwischen drei und fünf Wechsel gibt es auf diese Weise in den beiden markanten Gebäuden in der Prof.-Hermann-Klare Straße in Schwarza. Die drei Jahrzehnte sind jedoch an der Immobilie nicht spurlos vorübergegangen. Vor allem das Glasdach macht Fritsche Kummer. Zudem könnte er mehr Fläche gebrauchen. Und die Erweiterung der Photovoltaikanlage würde die Möglichkeit eröffnen, den eingemieteten Firmen eigenen Strom anzubieten. Jedoch fehlt ein passendes Förderprogramm, das die Unterstützung durch die beiden Gesellschafter des IGZ – Landkreis und Stadt Rudolstadt – erleichtern würde. Die IGZ GmbH sondiert aktuell einige Möglichkeiten, damit man in diesem Jahr noch in die Vorprüfung kommen kann.
Beim anschließenden Rundgang stellte Fritsche zwei Mieter vor – das Schülerforschungszentrum sowie das Fahrrad-Start-up Crossworx Cycles. Im Schülerforschungszentrum arbeitete Leiterin Christina Heß mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern an einer programmierbaren LED-Installation. Sie betreut unter anderem seit Jahren Projekte für den Wettbewerb „Jugend forscht“, von denen es mehrere bis zum Landeswettbewerb gebracht haben. Wie kreativ die jungen Forscherinnen und Forscher arbeiten, stellte sie an einer KI-gesteuerten Katzenklappe vor. Dort erkennt die KI, ob die Katze zum Beispiel eine Maus gefangen hat und mit ins Haus nehmen will. Dann bleibt die Klappe geschlossen. Fritsche warb bei Janine Merz für eine Verstetigung der Finanzierung des Schülerforschungszentrums. „Mit 10.000 Euro für Honorare und Betriebskosten könnte man hier viel erreichen“, so der Geschäftsführer.
Sichtlich beeindruckt zeigten sich die Besucher von der Fahrradmanufaktur Crossworx Cycles. Dort stellte Ruben Goinar das Konzept vor. Rund 150 hochwertige Rahmen werden im IGZ gefertigt und weltweit vertrieben. Die Palette reicht von voll-gefederten Mountainbikes über E-Bikes bis zu Gravelbikes. Über die Internetseite können die Kunden ihr Fahrrad „Made in Rudolstadt“ individuell konfigurieren. Die Firma ist inzwischen so etabliert, dass noch in diesem Jahr der Auszug in größere Räumlichkeiten geplant ist.
Nach dem Exkurs in die Wirtschaft trafen sich Wolfram und Merz mit AWO-Geschäftsführer Tschoepke. Das Pflegeheim ist mit aktuell 153 Plätzen das größte im Landkreis. Die Durchschnittskosten für eine Platz liegen bei rund 3.200 Euro im Monat, berichtete Tobias Zeilinger, Bereichsleiter Altenhilfe und Gesundheit und gleichzeitig Leiter des Heims. Während die Pflegegrade der Bewohnerinnen und Bewohner beim Einzug gestiegen seien, nehme die Verweildauer ab, da ältere Menschen möglichst lange im gewohnten Zuhause bleiben. Größte Herausforderung sei die Gewinnung des qualifizierten Personals. „Wir bilden aus und rekrutieren weltweit. Wir haben fünf Beschäftigte aus Vietnam und drei aus Nepal, die im kommenden Ausbildungsjahr bei uns beginnen“, berichtete Tschoepke.
Fachkräftegewinnung und Pflegekosten waren die beiden Themenschwerpunkte bei der anschließenden Diskussion. Tschoepke sieht die Notwendigkeit einige Standards, die schon heute nur mit dem größten Aufwand eingehalten werden können abzuändern. Angesichts der demografischen Entwicklung muss vieles flexibler gehandhabt werden. Langfristig würden im Landkreis nur wenige große Pflegeheim die Anforderungen erfüllen können.
Peter Lahann
Presse- und Kulturamt