Saalfelder Benediktinerkloster-Modell: Die Rückkehr des Klosters ins Schloss
Modell des Saalfelder Benediktinerklosters jetzt wieder im Saalfelder Landratsamt zu besichtigen
Saalfeld. „Wer will da helfen, das Kloster stürmen“ – Saalfeld im Bauernkrieg 1525 lautete der Titel der Ausstellung im Saalfelder Stadtmuseum im Franziskanerkloster, die vor wenigen Tagen zu Ende gegangen ist. Die Ausstellung war als Begleitausstellung zur Thüringer Landesausstellung über den Bauernkrieg „freyheyt 1525“ konzipiert. Als Besonderheit wurden die Saalfelder Ereignisse dort als „Graphic Novel“ in den Bildern von Rainer Marofke dargestellt. Im Begleitheft ist das das auch weiterhin im Museum zu erwerben ist, ist das weiterhin nachzulesen.
Ein besonderes Ausstellungsstück war das Modell des Saalfelder Benediktinerklosters St. Peter und Paul, das für die Saalfelder Ausstellung ja titelgebend war. Seit 2020 ist das Modell an prominenter Stelle im Saalfelder Schloss ausgestellt und damit am authentischen Ort.
Nach der kleinen Tournee ins Saalfelder Stadtmuseum ist das Museum in dieser Woche in das Schloss zurückgekehrt. Wer das Modell besichtigen will, hat dazu jetzt wieder während der Öffnungszeiten im Saalfelder Landratsamt die Möglichkeit – das Modell steht auf der Südseite in der 2. Etage, der sogenannten Beletage, der ehemaligen Wohnetage der Saalfelder Herzogsfamilie. „Es könnte keinen besseren Ort dafür geben als das Saalfelder Schloss, das auf den Grundmauern des Klosters gebaut worden ist“, sagt dazu Landrat Marko Wolfram.
Dass ein Modell des Benditkinerklosters bei der Ausstellung im ehemaligen Franziskanerkloster und jetzt wieder im Saalfelder Schloss zu erleben ist, ist vor allem Falk Pontow zu verdanken. Der Vorsteher der Saalfelder Bettelmönche, einer Abteilung der Historischen Vereinigung Saalfeld, die 1991 gegründet wurde, interessiert er sich seit vielen Jahren für die Saalfelder Klostergeschichte und hat sich akribisch mit dessen Geschichte befasst.
Aufgrund der wenigen vorhandenen Quellen – wie dem Saalfelder Merianstich, alten Bauzeichnungen und Grundrisskarten sowie Texten aus veröffentlichen Publikationen - hatte er das ehemalige Klostergelände rekonstruiert, wie es ausgesehen haben könnte. „Das war früher das bedeutendste Kloster in Thüringen“, betont er. Umgesetzt hat er das Projekt mit Jugendlichen in der Kolpingwerkstatt in Rudolstadt im Jahr 2017. Erstmals vorgestellt wurde das Modell zum Tag des Offenen Denkmals 2018 – schon damals im Saalfelder Schloss. Seitdem hat es eine kleine Rundreise gemacht und wurde so beim Heimatabend in Bad Blankenburg und beim Saalfelder Geschichtsverein vorgestellt. Im Oktober 2019 stellte die AG Kreisheimatpflege des Kreiskulturbundes im Umfeld des Schlosses ein Schild zur Klostergeschichte auf, das das Modell zeigt. Die Bettelmönche hatten das Modell gleich mitgebracht und übergaben es als Dauerleihgabe an Landrat Marko Wolfram. Seitdem ist es in seiner neuen Heimat im Saalfelder Schloss für jeden auch in natura zu erleben.
Der Petersberg in Saalfeld, auf dem sich das Saalfelder Schloss befindet, hat eine reiche Bebauungsgeschichte – vor dem Schloss stand hier das Benediktinerkloster St. Peter und Paul, davor die Königspfalz, davor eine Wehrburg. Und noch viel tiefer in die Geschichte gehen die Ausgrabungen des Thüringer Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie, die vor einigen Jahren im Schlosspark ausgeführt wurden. Mit dem Modell des Klosters ist auch die Vorgeschichte des Schlosses besser nachvollziehbar. Das Kloster hatte sich zu einem einflussreichen Machtzentrum bei der Christianisierung, Erschließung und Besiedlung des gesamten Orlagaus und großen Bereichen des Frankenwalds entwickelt. Von hier wurden die Propstei Zella (heute Probstzella) und das Kloster „Sankt Peter und Paul“ in Coburg gegründet und verwaltet.
Und mit der Ausstellung im Stadtmuseum und dem Begleitheft dazu ist jetzt auch gut vorzustellen, wie es zum Ende dieses einst in Thüringen bedeutenden Klosters gekommen ist – das damit 150 Jahre später als Bauplatz für das Saalfelder Residenzschloss ausgewählt wurde, dessen Grundsteinlegung am 29. März 1677 erfolgte, also heute vor 349 Jahren.
Martin Modes
Presse- und Kulturamt
Fotos:
- In der Bauernkriegsausstellung – das Klostermodell als Ort der Diskussion
- Rücktransport des Modells am Mittwoch – Blick in den nun leeren Ausstellungsraum im Stadtmuseum, Transport durch die Hausmeister, Blick aufs Modell aus der Nähe