Bundesumweltminister Schneider besucht Landkreis
Gespräch mit Landrat, Vertretern des Stahlwerks und Besuch bei der AWO
Saalfeld. Auf Einladung von Landrat Marko Wolfram besuchte Bundesumweltminister Carsten Schneider am 2. März den Landkreis. Nach einem Auftakttreffen mit dem Landrat stand ein Arbeitsgespräch mit Vertretern des Stahlwerks Thüringen auf dem Programm. Anschließend besichtigten Minister und Landrat gemeinsam mit Katharina Schenk, Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie das Pflegeheim der AWO Saalfeld-Rudolstadt im Rainweg. Schwerpunkt des Besuchs war die Finanzierung von energetischen Sanierungsinvestitionen.
Zunächst wandten sich Alexander Stolze, Leiter Einkauf und Prokurist des Stahlwerks, Alexander Stier, Prokurist und Leiter Verkauf und Logistik sowie sein Vorgänger Dr. Rolf Wendler mit der Bitte um Unterstützung bei zwei Themen an den Minister: dem „Grünen Stahl“ sowie der geplanten Nutzung der Abwärme aus dem Stahlwerk. Das Stahlwerk ist europaweit Vorreiter bei der Herstellung von grünem Stahl. Je Tonne in Unterwellenborn produziertem Stahl fallen lediglich 335 Kilogramm CO2 an. Bei konventionellem Stahl sind es rund zwei Tonnen CO2 je Tonne Stahl. Die Nachhaltigkeitsaspekte müssten bei Ausschreibung positiv berücksichtigt werden beispielsweise durch niedrigere CO2 Bilanzen von Baustoffen. „Wir müssen hier Leitmärkte schaffen“, warb Alexander Stier beim Minister. Im Detail haben die Stahlwerker ihre Wünsche in einem Schreiben an Minister Schneider und seinen Amtskollegen, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, formuliert. Unterstützung erhielten sie von Landrat Marko Wolfram: „In Unterwellenborn werden aus 100 Prozent Stahlschrott neue CO2 arme Stahlprodukte recycelt und zwar zu wettbewerbsfähigen Preisen. Das muss im Vergleich zu anderen Werkstoffen auch Berücksichtigung finden.“
Marktchancen sieht das Stahlwerk Thüringen bei den beiden großen Bundesunternehmen, der Deutschen Bahn AG sowie der Autobahn AG. Unter anderem könnten Bahnschwellen aus Stahl statt Beton oder Kunststoff einen Beitrag zur ökologischen Transformation leisten – wenn die CO2 Bilanz ein wichtiger Bewertungsfaktor bei der Auftragsvergabe ist. Schneider versprach, das Thema im Gespräch mit der neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, anzusprechen.
Zweites Thema war die geplante Nutzung der Abwärme des Stahlwerks. Derzeit fehlt noch die Absicherung der Millioneninvestitionen für die Wärmeauskopplung aus der Stahlproduktion sowie den Bau einer Nahwärmetrasse zur TWS in Schwarza. Bis zu 70 Prozent der Finanzierung kann durch die KfW gegen Ausfall abgesichert werden. Für die verbleibenden 30 Prozent müsste eine Absicherung aus dem Privatsektor kommen.
Die Refinanzierung von energetischen Sanierungsmaßnahmen war auch das wichtigste Thema beim Besuch des AWO Pflegeheims im Rainweg. Dort begrüßten Bürgermeister Dr. Steffen Kania, Geschäftsführer Andreas Krauße, Katja Glybowskaja, die Geschäftsführerin des AWO Landesverbandes, Petra Rottschalk, Vorsitzende des AWO Landesverbandes, Andrea Wende, Vorsitzende des AWO Kreisverbandes Saalfeld-Rudolstadt, sowie führende Mitarbeiter der AWO in Saalfeld die Gäste. Bei einem Rundgang stellte Achim Jaeckel, zuständig für die Unternehmensentwicklung bei der AWO Saalfeld gGmbH, die bereits durchgeführten Maßnahmen vor.
Für rund 1,4 Millionen Euro wurden neue Fenster und Verschattungsanlagen in dem Pflegeheim mit 112 Bewohnerinnen und Bewohnern in 52 Einzel- und 30 Doppelzimmern eingebaut. Trotz unterschiedlicher Fördertöpfe leistete die AWO einen Eigenanteil von rund 900.000 Euro. „Diese Kosten können wir nicht durch höhere Entgelte bei den Pflegekassen refinanzieren“, beschrieb Geschäftsführer Krauße die Herausforderung. Ziel müsse sein, die neuen Förderprogramme von Bund und Land dazu zu nutzen, die Kosten für die Bewohnerinnen und Bewohner im Pflegeheim zu senken, betonte Ministerin Schenk.
AWO Landesgeschäftsführerin Glybowskaja warb bei Schneider dafür, Zugangsbarrieren bei Fördertöpfen speziell für Träger der Wohlfahrtspflege zu beseitigen. „Wir sind ein wesentlicher Akteur im ländlichen Raum und die Förderung kommt direkt bei den Menschen an.“, sagte Glybowskaja.
Peter Lahann
Presse- und Kulturamt