Landrat besucht Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Rudolstadt

Wie das Lebenshilfewerk Produktivität und Menschlichkeit vereint

Rudolstadt. Landrat Marko Wolfram besuchte in dieser Woche gemeinsam mit Rolf-Henryk Thalmann, dem Fachbereichsleiter für Jugend, Soziales und Gesundheit, die zwei Werkstätten für Menschen mit Behinderungen des Lebenshilfewerkes in Rudolstadt. Vor Ort empfingen sie Herbert Wirkner, Vorsitzender des Verwaltungsrates, Thomas Mohr, Vorstand und pädagogischer Leiter, sowie die Werkstattleiter Nico Hercher und Henri Möller. Sie stellten die beiden Standorte, ihre Konzepte und vor allem die Menschen dahinter vor.

In den Heidecksburg Werkstätten und der Werkstatt An der Bleichwiese in Cumbach arbeiten derzeit 185 Menschen mit geistiger, psychischer und mehrfacher Beeinträchtigung gemeinsam mit rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebenshilfe. Die Bandbreite der Arbeitsfelder reicht von Druck- und Textilverarbeitung über die Holzwerkstatt und Landschaftspflege bis hin zu Montage und Verpackung. Hier werden zum Beispiel – je nach Auftrag – Taschen und Druckverbände für den medizinischen Bereich genäht oder für große Baumarktketten unzählige Schalter, Schrauben und sonstige Kleinteile montiert oder anderweitig verarbeitet und deutschlandweit verkauft.

Mit großer Sorgfalt und unter fachkundiger Anleitung verpacken die Beschäftigten alles, vom Süßholzwurzeltee aus der Türkei bis zum Adventskalender für Haustiere. „Wir haben u.a. schon Millionen Vanilleschoten, einige Tonnen Hagebuttenpulver und viele Tausend Tüten Matcha-Tee verpackt. Manche Aufträge lassen sich nur manuell und unter besonderen Bedingungen umsetzen - genau für solche individuellen Sonderaufträge sind wir gefragt“, erklärt Werkstattleiter Henri Möller. Zu den Auftraggebern zählen namhafte Unternehmen aus der Region: für Otto Bock werden Rollstuhlteile montiert und für die Ankerstein GmbH Bausteinkästen bearbeitet. Zudem besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem benachbarten Unternehmen Siemens Healthineers. So bearbeiten die Beschäftigten der Werkstätte hochfiligrane Kleinstbestandteile für Röntgenröhren – manuelle Präzisionsarbeit die hohe Konzentration und Geschick erfordert.

„Man spürt sofort: Hier steht trotz aller wirtschaftlichen Anforderungen der Mensch im Mittelpunkt“, sagte Landrat Marko Wolfram bei der Besichtigung. „Wir sind zunehmend mehr gefordert uns mit den Rahmenbedingungen für unsere Maßnahmenteilnehmer und Beschäftigten auseinanderzusetzen und kümmern uns um deutlich mehr, als eigentlich unsere Aufgabe wäre“, erklärt Vorstand Thomas Mohr. Die Anpassung der Arbeit an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Beschäftigten sei im Einklang zu bringen mit dem jeweiligen Auftrag, so Mohr. Tagesstruktur, ein soziales Umfeld und gesellschaftliche Teilhabe in Verbindung mit der Wertschätzung durch eine sinnstiftende Aufgabe ist, laut Thomas Mohr, zentraler Bestandteil der Arbeit in den Einrichtungen der Lebenshilfewerke Ilmenau/Rudolstadt e.V.

„Die Gespräche heute haben mir gezeigt: die Menschen hier sind unglaublich engagiert und stolz darauf, wertvolle Arbeit zu leisten. Es ist eine Win-Win-Situation für alle - die Industrie kann auf einen verlässlichen Zulieferer bauen und die Menschen bekommen die Wertschätzung, die sie verdienen“, sagte Landrat Marko Wolfram. Zum Abschluss dankte er den Verantwortlichen für ihr Engagement und sicherte weiterhin die enge Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Jugend, Soziales und Gesundheit zu.    

Carolin Schreiber
Presse- und Kulturamt