Denkwürdig – Der Denkmaltag 2026 im Residenzschloss Saalfeld
Viele Besucher erklommen 45 Meter hohen Schlossturm – und erfuhren „Warum die Coburger Herzöge eigentlich Saalfelder sind“
Saalfeld. Das Residenzschloss Saalfeld war aufs neue Teil zum Tag des Offenen Denkmals und beeindruckte nicht nur mit der barocken Pracht der gesamten Einrichtung, sondern auch mit einer äußerst lehrreichen Führung durch die Hallen der ehemaligen Behausung der Herzöge und „einer Atmosphäre, wie man sie sonst nur aus Märchen kennt“, so eine Anwohnerin aus Goßwitz.
Trotz des eher durchwachsenen Wetters fanden viele Gäste den Weg in das Residenzschloss Saalfeld. Bereits im Schlosshof wurden die Besucher von Auszubildenden des Landratsamtes herzlich empfangen. Die gesamte Organisation und Durchführung hatten Mitarbeiter von Denkmalschutz sowie dem Presse- und Kulturamt übernommen.
Von der Schlosskapelle über das verzierte Treppenhaus, die originalen Überreste von Mauern und Torbögen, bis hin zum ehemaligen Teezimmer der Herzogin und dem Landratsbüro gab es allerhand zu sehen und zu entdecken.
Das Highlight für viele Besucher war aber der rund 45 Meter hohe Schlossturm. Das sonst geschlossene Bauwerk war anlässlich des Denkmaltages zugänglich und in kleinen Gruppen betretbar. Oben angekommen, bot er einen atemberaubenden Blick über ganz Saalfeld und Umgebung bis hin zur Burg Greifenstein, übrigens der einzigen Königsburg Thüringens. Doch wer diesen Ausblick genießen wollte, musste den Turm zuerst „bezwingen“. Ganze 144 Stufen mussten erklommen werden, um die Aussichtsplattform zu erreichen.
Aber nicht alle Besucher waren „nur“ zu Besuch. Ein begeisterter Geschichtsfan aus Bayreuth interessierte sich ungemein für die Historie des Residenzschlosses und war stark bestrebt, seinen Horizont diesbezüglich erweitern zu können. Hierfür standen die freundlichen und kompetenten Mitarbeiter ihm mit Rat und Tat zur Seite, ebenso wie für Fragen und Anregungen aller anderen Gäste.
Eine interessante Anekdote, von welcher viele bislang nichts wussten. Abseits des Denkmaltags wirft ein in der Region wenig bekanntes Kapitel einen Schatten: Denn vor 200 Jahren, im Jahr 1826, verlor der bisherige Landesteil Saalfeld die Zugehörigkeit zum bisherigen Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld.
Grund dafür war die Neuordnung der ernestinischen Herzogtümer nach dem Aussterben der Linie Sachsen-Gotha-Altenburg im Mannesstamm. Nach dem Tod Herzog Friedrichs IV. im Jahr 1825 entbrannte ein Erbstreit unter den verwandten Häusern. Der daraufhin geschlossene Teilungsvertrag von Hildburghausen vom 12. November 1826 ordnete die thüringischen Herzogtümer grundlegend neu: Der Saalfelder Landesteil bisher unter Regentschaft von Herzog Ernst I. wurde von Sachsen-Coburg-Saalfeld abgetrennt und fiel an Sachsen-Meiningen. Im Gegenzug erhielt der Herzog das Herzogtum Gotha – aus Sachsen-Coburg-Saalfeld wurde damit das neue Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Für Saalfeld bedeutete die Neuordnung einen tiefen politischen Einschnitt: Die Stadt und die übrigen Saalfelder Landesteile gehörten fortan nicht mehr zum Coburger, sondern zum Meininger Staatsgebiet.
„Deshalb“, so erläuterte Martin Modes vom Presse- und Kulturamt augenzwinkernd, „sind die Nachfahren der Coburger Herzöge, die auf vielen europäischen Thronen zu finden sind, eigentlich Saalfelder. Denn der Stammvater dieser Linien ist Herzog Johann Ernst von Sachsen-Saalfeld.“
Zum Abschluss der Besichtigung bestand für jeden die Möglichkeit, sich einen von acht verschiedenen Stickern für seinen Flyer zum Denkmaltag mitgeben zu lassen, je nachdem, bei welchem der teilnehmenden Einrichtungen man zu Besuch war. Oftmals wurde der Sticker aber auch einfach als schöne Erinnerung mitgenommen.
Tiziano Zaake
Auszubildender
Presse- und Kulturamt