Autonomes Fahren als strategisches Top-Thema
Landrat wirbt bei 2. Thüringer Mobilitätskonferenz für Teststrecken im Landkreis
Erfurt. Am Montag, 24. August, fand im Comcenter Brühl in Erfurt die 2. Thüringer Mobilitätskonferenz statt. Nach einem Impulsvortrag von Steffen Schütz, Thüringer Minister für Digitales und Infrastruktur stand am Vormittag das Thema „Automatisiertes Vernetztes Fahren“ (AVF) im Mittelpunkt. Als Teilnehmer der Podiumsdiskussion warb Landrat Marko Wolfram für die Etablierung von Teststrecken im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.
Minister Schütz plädierte in seiner Eröffnung für mehr Tempo bei der zukunftsfähigen Umgestaltung des Verkehrs. Um die Abhängigkeit vom eigenen Auto und fossilen Treibstoffen nachhaltig zu senken, brauche es echte Alternativen: „Statt über Preisbremsen beim Tanken zu diskutieren, sollten wir die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen verringern“, mahnte Schütz. Das Automatisierte Vernetzte Fahren (AVF) – besser bekannt als autonomes Fahren – sei hierfür ein Schlüsselbaustein, um flexiblen und bedarfsgerechten ÖPNV gerade im ländlichen Raum zu etablieren.
Jan Brandstetter vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bezeichnete das Automatisierte Vernetzte Fahren als strategisches Top-Thema der gesamten Branche. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) der Zukunft sei auf autonome Konzepte angewiesen. Dafür müssten die Verkehrsunternehmen bei Fahrzeugbeschaffung, Leitstellen und Betriebsorganisation enger kooperieren. Brandstetter warnte zudem vor der Zulassung rein privater Robotaxi-Flotten: Diese würden sich auf die lukrativen „Filetstücke“ in den Städten konzentrieren und so den Individualverkehr weiter anheizen. Der ÖPNV hingegen könne durch die Integration von AVF-Angeboten echten betrieblichen Mehrwert schaffen und die Daseinsvorsorge sichern.
Dass Thüringen als Erprobungsraum ideal geeignet ist, unterstrich Prof. Dr. Matthias Hein, Direktor des Thüringer Innovationszentrums Mobilität an der TU Ilmenau. Die zentrale Lage, starke Verkehrsbetriebe und gute Rahmenbedingungen machten den Freistaat zur optimalen Modellregion. Mit dem Integrierten Taktfahrplan, dem Modellprojekt MOVEwell in den Landkreisen Saalfeld-Rudolstadt, Weimarer Land und Ilm-Kreis sowie dem Kompetenzzentrum AVF existierten bereits wichtige Vorarbeiten. Erst kürzlich hatte Prof. Dr. Hein in der Gasmaschinenzentrale in Unterwellenborn ein autonom fahrendes Fahrzeug präsentiert.
Prof. Dr. Uwe Plank-Wiedenbeck, Leiter der Verkehrssystemplanung an der Bauhaus-Universität Weimar, skizzierte die wissenschaftlichen Vorarbeiten etwa bei der Analyse von Verkehrswegen und Mobilfunknetz-Verfügbarkeiten. So könnten etwa statistische Unfalldaten direkt in die Routenplanung für autonomes Fahren einfließen. „Wir müssen jetzt eine Initialregion festlegen und starten“, forderte Plank-Wiedenbeck.
Landrat Marko Wolfram griff diesen Impuls in der Podiumsdiskussion direkt auf und bekräftigte die Bereitschaft des Landkreises: „Unser Ziel ist es, das Rufbus-System unseres Verkehrsunternehmens KOMBUS in den Randzeiten – morgens, abends sowie am Wochenende – deutlich auszuweiten. Derzeit setzen uns fehlendes Personal und begrenzte Mittel enge Grenzen. Autonom fahrende Busse als Zubringer zu den Hauptlinien und zur Bahn könnten unser Angebot entscheidend verbessern.“
Hinsichtlich des Zeitrahmens hielten alle Podiumsteilnehmer eine Umsetzung innerhalb von fünf Jahren für realistisch. Damit dieser Zeitplan eingehalten werden kann, brauche es jedoch klare Rückendeckung vom Freistaat: Das Land müsse eine Anschubfinanzierung für die Beschaffung der ersten Fahrzeuge sicherstellen, während der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt die organisatorischen Voraussetzungen vor Ort schaffen könne. „Wir auf Landkreisebene sind bereit, die notwendigen Strukturen für eine zügige Umsetzung aufzubauen“, versicherte Wolfram. Ein konkreter nächster Schritt ist bereits vereinbart: Noch im September wird es ein Arbeitstreffen mit Prof. Dr. Hein, Prof. Plank-Wiedenbeck und weiteren regionalen Akteuren im Landkreis geben.
Peter Lahann
Presse- und Kulturamt